Klausur und Prüfung

IHK-Prüfung Fachinformatiker: was beim Programmieren drankommt

Veröffentlicht am 22. Oktober 20265 Min. Lesezeit

Du machst eine Ausbildung zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung und fragst dich, wie viel Programmieren in der IHK-Prüfung wirklich verlangt wird. In der Klasse kursieren dazu viele Gerüchte. Hier steht, was die Ausbildungsverordnung von 2020 tatsächlich festlegt, was in den Prüfungen bisher typisch war und wie du dich mit wenig Zeit sinnvoll vorbereitest.

Der Aufbau: Teil 1 und Teil 2

Seit der Neuordnung 2020 gibt es eine gestreckte Abschlussprüfung in zwei Teilen. Beide zählen für die Endnote. Die Regeln stehen in der Fachinformatiker-Ausbildungsverordnung (FIAusbV). Für die Fachrichtung Anwendungsentwicklung gilt laut § 16 FIAusbV diese Gewichtung:

TeilPrüfungsbereichFormGewicht
1Einrichten eines IT-gestützten Arbeitsplatzesschriftlich, 90 Minuten20 %
2Planen und Umsetzen eines SoftwareprojektesProjektarbeit, Präsentation, Fachgespräch50 %
2Planen eines Softwareproduktesschriftlich, 90 Minuten10 %
2Entwicklung und Umsetzung von Algorithmenschriftlich, 90 Minuten10 %
2Wirtschafts- und Sozialkundeschriftlich, 60 Minuten10 %

Für die betriebliche Projektarbeit hast du laut § 12 höchstens 80 Stunden, einschließlich Dokumentation. Die Präsentation dauert höchstens 15 Minuten, zusammen mit dem Fachgespräch höchstens 30 Minuten.

Bestanden hast du nach § 16 Absatz 2 unter anderem nur, wenn Gesamtergebnis und Teil 2 mindestens „ausreichend“ sind, mindestens drei Prüfungsbereiche von Teil 2 mindestens „ausreichend“ sind und keiner „ungenügend“ ist. Ein starkes Projekt gleicht also eine sehr schwache schriftliche Prüfung nicht automatisch aus.

AP1: wenig Programmieren, aber nicht null

Teil 1 bezieht sich auf die Inhalte der ersten 18 Ausbildungsmonate (§ 8). Laut § 9 geht es darum, Kundenbedarf zu erheben, Hard- und Software auszuwählen, einen IT-Arbeitsplatz zu konfigurieren und zu testen, Kunden einzuweisen und die Leistung zu protokollieren. Programmieren steht in diesem Paragrafen nicht.

In der Praxis tauchten trotzdem kleine Aufgaben rund um Code auf. Eine Auswertung bisheriger Prüfungen durch den IT-Berufe-Podcast nennt für Teil 1 zum Beispiel Schreibtischtests, Pseudocode erklären, eine Programmiersprache auswählen oder Compiler und Interpreter unterscheiden. Das ist keine offizielle Liste, zeigt aber die Richtung: Du solltest einfachen Code lesen und einen Ablauf von Hand durchgehen können. Große Programme schreibst du in AP1 nicht.

Wichtig ist eine Änderung von 2025: Laut IHK Hannover gilt die zweite Auflage der Prüfungskataloge erstmals für Teil 1 im Frühjahr 2025 und Teil 2 im Sommer 2025. Struktogramm und Programmablaufplan wurden gestrichen, SQL wird nur noch in Teil 2 geprüft, dafür kommen schrittweise UML und BPMN hinzu.

AP2: hier wird programmiert

Der Kern für dich ist der Prüfungsbereich „Entwicklung und Umsetzung von Algorithmen“. Laut § 14 FIAusbV sollst du dort zeigen, dass du:

  • Programmcode interpretieren und eine Lösung in einer Programmiersprache erstellen kannst,
  • Algorithmen in eine Programmierlogik übertragen und grafisch darstellen kannst,
  • Testszenarien auswählen und Testdaten erzeugen kannst,
  • Abfragen zur Gewinnung und Bearbeitung von Daten formulieren kannst.

Das sind 90 Minuten, schriftlich. Der Bereich „Planen eines Softwareproduktes“ (§ 13) dreht sich dagegen um Entwicklungsumgebungen, Bibliotheken, Spezifikationen, Benutzeroberflächen und Qualitätssicherung. Dort planst du mehr, als dass du Code schreibst. Das Projekt (50 %) ist meist eine echte Softwareentwicklung im Betrieb, bewertet werden aber Dokumentation, Präsentation und Fachgespräch.

Laut der Auswertung des IT-Berufe-Podcasts war Pseudocode in 14 von 20 bisherigen AP2-Prüfungen für Anwendungsentwicklung dabei, dazu häufig SQL, Schreibtischtests, Code Coverage und Unit-Tests. Einzeln kamen auch Sortieralgorithmen und Rekursion vor.

Pseudocode oder Java?

Die Verordnung schreibt keine Programmiersprache vor. Sie spricht nur von „einer Programmiersprache“. Nach Aussage des IT-Berufe-Podcasts verlangen die Aufgaben keine bestimmte Sprache, und Pseudocode ist ohnehin nicht genormt. Der Code soll laut Podcast aber auch für Leser ohne Kenntnis deiner Sprache verständlich sein. Java eignet sich dafür gut, solange du keine exotischen Sprachmittel benutzt.

Das ist eine Erfahrungsaussage, keine amtliche Regel. Maßgeblich sind die Hinweise auf dem Aufgabenblatt und deine IHK. Lies sie in der Prüfung genau.

So kann eine typische Aufgabe aussehen: Durchschnitt aller Werte über einer Grenze berechnen.

public class Main {    static double averageAbove(int[] values, int limit) {        int sum = 0;        int count = 0;        for (int value : values) {            if (value > limit) {                sum += value;                count++;            }        }        if (count == 0) {            return 0;        }        return (double) sum / count;    }
    public static void main(String[] args) {        int[] temperatures = {18, 26, 31, 22, 27};        System.out.println(averageAbove(temperatures, 24));    }}
28.0

Im Schreibtischtest gehst du die Werte durch: 26, 31 und 27 liegen über 24, die Summe ist 84, geteilt durch 3 ergibt 28.0. Achte auf den Sonderfall „kein Wert passt“ und auf (double), sonst teilt Java ganzzahlig. Solche Fallen trainierst du mit Ausgabe-Aufgaben.

Was du konkret üben solltest

  • Grundlagen sicher: Schleifen, Arrays und Methoden musst du ohne Nachdenken schreiben können.
  • Klassische Algorithmen: Suchen und einfache Sortierverfahren wie Bubble Sort, dazu Rekursion.
  • Code lesen: Schreibtischtests mit Trace-Tabelle, Fehler in fremdem Code finden.
  • Auf Papier schreiben: In der Prüfung gibt es keine IDE. Wie du das übst, steht in Java-Klausur auf Papier.
  • SQL: SELECT mit JOIN und GROUP BY, dazu INSERT, UPDATE und DELETE. Das deckt Jario nicht ab.
  • Alte Prüfungen: Frag im Betrieb oder in der Berufsschule nach früheren Aufgabensätzen. Sie zeigen den Stil am besten.

Wo Jario dir hilft und wo nicht

Jario ersetzt keine alten IHK-Prüfungen und hat keinen Prüfungsmodus. Es hilft dir beim Teil, an dem die meisten scheitern: selbst Code schreiben, der stimmt.

  • Du übst im Browser, auch auf dem Firmen-Laptop ohne Admin-Rechte. Mehr dazu in Java ohne Admin-Rechte.
  • Der Kurs „Java-Grundlagen“ führt in 12 Kapiteln von der ersten Ausgabe bis zu Streams. „Algorithmen in Java“ behandelt in 8 Kapiteln Suchen, Sortieren, Rekursion, Bäume, Heaps, Hashing und Graphen.
  • „Prüfen“ testet deine Lösung sofort. Der KI-Tutor gibt Tipps in kleinen Schritten, aber keine fertige Lösung.
  • Die Autovervollständigung lässt sich abschalten, damit du wie auf Papier schreibst.

Mit 30 Minuten am Abend kommst du weit, wenn du regelmäßig übst. Einen Plan dafür findest du in Java lernen als Azubi.

Kurz gesagt

  • AP1 (20 %) prüft vor allem den IT-Arbeitsplatz. Programmieren kommt höchstens in kleinen Aufgaben vor.
  • In AP2 ist „Entwicklung und Umsetzung von Algorithmen“ (10 %) der Programmierteil, das Projekt zählt 50 %.
  • Pseudocode war bisher sehr häufig. Eine feste Sprache ist nicht vorgeschrieben, die Hinweise auf dem Aufgabenblatt gelten.
  • Übe Code lesen, Schreibtischtests, Algorithmen und SQL, und schreib Lösungen ohne IDE.

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